Für alle, die den klassischen Weg zur Uni per Untergrundbahn wählen, gibt es auf der finalen Etappe genau drei zentrale und durchaus einprägsame Zwischenstopps. Der erste ist ganz ohne Zweifel das kleine Kiosk im U-Bahnhof. Ein mystischer Ort, der den SFU-Studenten zum einen die Möglichkeit bietet, ein letztes Mal vor Beginn der Lehrveranstaltung eine zwischenmenschliche Interaktion mit jemandem zu führen, der nicht ein Teil ebendieser ist, und zum andern die Möglichkeit, eins dieser fantastischen belegten Baguettes zu erwerben. Das Wort auf der Straße besagt, dass die „Ei-Gurke-Remoulade“-Kombi besonders zu empfehlen ist.

Danach der selbstverständlich der Platz der Luftbrücke höchstpersönlich. Der Namensgeber der Station übertrifft das Kiosk in seinem imposanten Aussehen um Längen, allerdings nicht in seiner Funktionalität. Denn, genau wie sein Ebenbild am Frankfurter Flughafen, steht der Betonklotz einfach nur so in der Gegend rum, und erinnert eben an die historische Luftbrücke. Und dann, als großes Finale vor der Uni sozusagen, kommt sie. Die Columbiahalle.

Alle kennen sie, aber die wenigsten von der anderen Seite der großen Eingangstür. Oft genug ist der gemeine Student schon an genau dieser vorbeigegangen, und hat sich gefragt warum zum Teufel dort schon zu solch astronomischen Uhrzeiten Teenager in einer Schlange rumlungern.

Viva Columbia

Die Antwort liegt auf der Hand: Die Columbiahalle ist eine der populärsten Konzerthallen in Berlin. Ursprünglich 1951 als Sporthalle für die US-Amerikanischen Soldaten errichtet, dient sie seit 1998 als Location für Events aller Art. Denn nicht nur Konzerte finden im großen Saal statt, sondern auch Comedyshows, Messen, Workshops, Betriebsfeiern, Sportevents, Modeshows und sogar den ein oder anderen Abiball. Kein schlechter Fang, wenn man bedenkt, dass man auf derselben Bühne seine Hochschulreife bekommt, auf der schon Alice Cooper während einem Gitarrensolo erhängt wurde.

Laut den Betreibern ist die Halle mit einem Soundsystem ausgestattet, welches wohl zu den besten in ganz Europa zählt. Bedingt durch den Oberrang und das Material der Wände und Decken soll der Raum an fast jeder Stelle optimal klingen und sei fast frei von diffusen Schall-Reflexionen. Selbst auf der Fläche unterhalb des Rangs, der von der Bühne aus nicht volles Rohr zugedröhnt werden kann, klingt es angeblich dank einer fest installierten Zusatzbeschallung trotzdem hervorragend.

Wie ist der Sound wirklich?

So zumindest die Theorie. Der Autor dieses Textes hat die Columbiahalle bereits zwei Mal besuchen dürfen, mit je zwei doch sehr unterschiedlichen Erfahrungen. Beim ersten Mal machte die Location definitiv keine Pluspunkte. Obwohl die Ausgangslage perfekt schien, schließlich gaben die britischen Doom-Metal Legenden Electric Wizard vor ein paar Jahren eins ihrer überaus seltenen Konzerte, war der Abend Recht frustrierend. Denn statt dem versprochenen überragenden Sound gab es leider nur verzerrten Brei. Übersteuerter Bass, kaum hörbare Vocals und das Ganze auch noch viel zu leise. Außerdem gab es außer den fiesen Riffs auch noch eine ganze Menge fieser Securitytypen, die einem wirklich ordentlich auf die Nerven gingen. Leute auf einem Rock-Konzert wegen Stagediving aus der Halle zu schmeißen ist ungefähr fast so dämlich, wie beim Formel 1 Strafzettel zu verteilen.

Ein paar Jahre später konnte die Columbiahalle allerdings alles wieder wettmachen. Beim Auftritt der 80er Thrash-Urgesteine Overkill war nämlich das totale Gegenprogramm angesagt. Der Sound war perfekt abgemischt (vielleicht brauchen die Jungs von der Technik einfach ein bisschen schnelleren Schwermetall) und der Sicherheitsdienst bestens gelaunt.

Es gibt wohl also gute und schlechte Tage in der Columbiahalle. Wobei man einfach sagen muss, dass die Halle, mal ganz abgesehen von Sound oder Security, einfach was hermacht. Die hübschen roten Akzente, der schicke Oberrang, die schicke Einrichtung und vor allem der hübsche Außenbereich machen die Halle definitiv zur attraktivsten in ihrer Größenordnung. Sie wertet die Umgebung der SFU jedenfalls um einiges auf, auch wenn man sie doch eher von außen als von innen sieht.