Ihre bedingungslose Liebe zur deutschen Sprache brachte Christiane Winkelmann zum Radio und schlussendlich an die Sigmund Freud Universität Berlin, an der die Dozentin uns auf dem Weg zu erfolgreichen Journalist*innen begleitet. Wir haben uns die Chance natürlich nicht entgehen lassen und Christiane über das Leben und Leiden der Berichterstatter befragt.

Christiane, was war deine Motivation in jungen Jahren, damals im Bereich des Journalismus Fuß fassen zu wollen?

Ich hatte schon immer eine große Liebe zur deutschen Sprache und ich wusste, ich möchte mit Sprache und Texten arbeiten und hatte schon damals die Leidenschaft Kurzgeschichten zu schreiben. Das ist zwar nicht journalistisch, aber hat mich auf jeden Fall begeistert. Mit der Beobachtung des Alltags hab ich mich sehr gerne befasst und während des Studiums habe ich dann angefangen, Praktika zu machen. Bei einem Verlag im Lektorat, bei verschiedenen Medien und regionalen Fernsehsendern – und das hat auch riesengroßen Spaß gemacht. Dann war ich beim Radio und da habe ich gemerkt, das ist mein Medium.

Warum hast du dich für das Radio und nicht für TV oder Zeitung entschieden?

Weil beim Radio eben das Wort trägt.

Gab es Momente in deinem Leben, wo du dich vom Journalismus gänzlich verabschieden wolltest?

Gänzlich eigentlich nicht. Ich arbeite mittlerweile nicht mehr beim Radio, was ich 15 Jahre lang gemacht habe bei verschiedenen Sendestationen. Dann machte ich eine Pause und habe angefangen mich für Deutschtraining zu interessieren, Migranten unterrichtet und versucht Leute für die deutsche Sprache zu begeistern. Man kann sich gar nicht vorstellen, wenn man deutsch als Muttersprache spricht, wie hart es ist, die Grammatik mit den Präpositionen zu lernen. Die Liebe zur Sprache zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Jetzt bin ich hier, an der SFU und unterrichte meine Studenten und möchte gerne meine Berufserfahrung und meinen Erfahrungsschatz weitergeben.

Wo siehst du die größten Herausforderungen für den Journalismus in der Zukunft?

Ein wichtiger Punkt ist mit Sicherheit die Schnelligkeit aufgrund der Digitalisierung. Ich hab damals noch Bandschnitt gelernt beim Radio. Man hat ein Band und schnippelt mit dem Werkzeug dann die Stellen raus, die man nicht haben will und klebt es anschließend wieder zusammen. So hab ich Schneiden gelernt. Ein richtiges Handwerk eben. Davon sind wir natürlich mittlerweile Kilometer entfernt, alles geht so schnell und durch diese Schnelligkeit, fällt das Prüfen oft weg. So landet irgendein Stuss ungefiltert in der Welt und wird auch nicht revidiert, sondern steht im Netz – und der steht dort auch noch in 20 Jahren. Und das finde ich, ist eine nicht so gute Ausprägung (der Digitalisierung).

Warum bist du nun als Dozentin tätig und gibt es journalistische Herzensthemen, die du deinen Studierenden mitgeben möchtest?

Ja, der Sache auf den Grund gehen – das ist mein Herzensthema. Und der deutschen Sprache, die unglaublich schön sein kann, auch zu dieser Schönheit verhelfen. Egal ob ich eine Reportage mache, Nachrichten präsentiere oder moderativ tätig bin – treffende Worte zu finden, gute Sätze zu bilden und etwas so darzubieten, dass es der Hörer auch gerne hört und die Inhalte hängenbleiben – das ist für mich eine wichtige Sache.

Warum sollte man Journalismus überhaupt studieren, man kann ja auch direkt in die Redaktion gehen und mit einem Volontariat den ersten Schritt tätigen?

Das kann man, aber dann hat man sich sehr früh schon festgelegt. Man hat sich für die Zeitungsredaktion, die Onlineredaktion, den Radiosender oder die TV-Station entschieden und das Studium bietet eben den großen Vorteil, dass man hier erst mal die Vielfalt ausprobieren kann und Grundlagen erlernt, um sich dann erst zu entscheiden, welcher Zweig am besten zu den eigenen Talenten passt.

Was zeichnet für dich gute Journalist*innen aus?

Neugier aber auch Skepsis. Diese Mischung sollte man schon haben. Nicht alles glauben, aber alles für möglich halten.

Fake News, Hatespeech, Internet-Trolle, siehst du in den neuen Medien auch eine Gefahr für den Journalismus, da Wahrheit und Lüge oftmals miteinander verschwimmen?

Ich sehe den Journalismus nicht in Gefahr, aber ich sehe, dass er komplexer wird. Ein guter Journalist muss inzwischen so viele Tool beherrschen, Dinge überblicken und Einschätzungen vornehmen können, wie niemals zuvor. Und daher glaube ich, ist es wichtiger denn je, dass wir unglaublich gut ausgebildete Journalisten werden, da auch die Aufgabe der Journalisten so unglaublich wichtig geworden ist. Eben genau wegen dieser Sachen (Fake News, Hatespeech, Internet-Trolle,…). Da brauchen wir souveräne Leute, die ihren Job verstehen, Recherchearbeit verstehen, Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden können, die Faktenchecks durchführen und wir brauchen auch Redaktionen, die so aufgestellt sind, dass das alles auch möglich ist. Die Presse ist ein Kontrollorgan in Deutschland und das dürfen wir nicht einfach der Technik überlassen. Wir brauchen Leute, die die Aufgabe haben zu kontrollieren und zu gucken, was stimmt und was stimmt nicht. Einer alleine kann im Netz nicht herausfinden, was richtig ist und was nicht – es braucht Leute, deren Job es ist, herauszufinden was ist Lüge oder Wahrheit.

Anke Engelke oder Barbara Schöneberger? Und warum?

(lacht) Die Frage ist echt schwer, weil das beides sehr tolle Ladys sind. Anke Engelke mit Ladykracher hat mich nicht nur einmal Tränen lachen lassen. Wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, mit wem ich mal ein Bier trinken könnte, dann gehe ich mit Barbara. Sie ist total frisch und unverkrampft. Ich glaube, das wird lustig.

Interview geführt: Juni 2019