Er war seinerzeit das größte Gebäude weltweit und ist in vielen Hinsichten ein einzigartiger Ort der Geschichte. Der Neubau des Flughafen Tempelhofs war in der Nazi Zeit ein Zeichen der Machtdemonstration des totalitären Regimes und durch das KZ Columbia, Zwangsarbeit und Militäraktionen der Wehrmacht, auch ein Ort der Unterdrückung. Dann, durch die Berliner Luftbrücke, wurde er zum Knotenpunkt einer der wichtigsten humanitären Hilfsaktionen weltweit. Wenn man weiß, welche Geschichte der Flughafen Tempelhof mit sich trägt und welchen Stellenwert er als Ort in der Berliner Geschichte einnimmt, dann ist es doch erstaunlich, wie ruhig dieses Gebäude nun scheint. Von der Straße aus erkennt man noch die alten Schilder, auf denen noch immer die Ausschilderungen für die Flugpassagiere stehen. Während im Umkreis des SFU Standortes immer mehr gestaltet und gearbeitet wird, könnte man – wenn man es nicht besser wüsste – denken, der Rest des Flughafengebäudes würde gar leerstehen. Wenn man es dann besser weiß, stellt man fest: der Flughafen wird tatsächlich kaum benutzt. 

Visualisierung der Ausstellungsebene im Kopfbau West

Zwischen Geschichte und Zukunftsplänen

Besonders die Polizei mietet Räume des Gebäudes an, hier und da finden Veranstaltungen oder Festivals statt. Vereinzelt entdeckt man kleine Projekte, die plötzlich aus dem Boden gestampft werden. Und doch sind eigentlich auch größere Projekte geplant. Auf der Internetseite des Flughafens wird deutlich, was sich die Besucher*innen von dem Flughafen erhoffen dürfen: Der Flughafen Tempelhof soll in den kommenden Jahren zu einem Experimentierort und neuem Stadtquartier für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft werden”.

Geplant ist unter anderem, die geschichtliche Bedeutung des Gebäudes erlebbar zu machen, aber auch ein Ort von und für die Bürger*innen zu schaffen. Dafür soll es eine Geschichtsgalerie auf dem 1,2 Kilometer langen Dach geben, sowie ein Alliierten Museum im Hangar 7. Der Tower soll zudem ausgebaut werden und als Aussichtsplattform dienen.

Damit sich die Besucher*innen bald auch vor Ort einen Eindruck vom Flughafen und den Plänen machen können, soll es ab Herbst 2019 ein Besucherzentrum geben, welches über die Geschichte, sowie über Zukunftspläne, Veranstaltungen und Führungen rund um den Flughafen Tempelhof informiert. Um das Gebäude als kreativen Standort wirklich zu machen, soll es außerdem die Möglichkeit geben, Räume zu mieten um dort als kreative Gruppe aktiv zu werden.

Doch im gesamten Gebäude wäre noch viel mehr Platz. Um die 300.000 Quadratmeter und über 7000 Räume umfasst der Tempelhofer Flughafen, genug um noch mehr Ideen der Bürger*innen zu verwirklichen. Doch alleine die bis jetzt festgelegten Pläne umzusetzen, wird noch viele Jahre dauern. Das Hauptproblem dabei bringen die Sanierungsarbeiten mit sich, die für den Ausbau fällig wären. Schätzungen zufolge liegt der finanzielle Bedarf dafür bei 300 bis 500 Millionen Euro. Geld welches die Stadt Berlin nicht hat.

Das Problem mit der Bürger*innen Beteiligung

Auch die Mitarbeit der Bürger*innen an dem Projekt “Neugestaltung des Flughafen Tempelhof” lief nicht wie geplant. Das liegt vor allem daran, dass man auf die Beteiligung an den Sanierungsplänen via Online-Umfrage nicht aufmerksam gemacht hat. Bei der Abstimmung, die vom 20. Dezember 2018 bis zum 4. Februar 2019 online war, haben daher gerade mal um die 130 Menschen teilgenommen. 

Die zweite Phase der Bürger*innen Beteiligung, in der konkretisierte Pläne zur Abstimmung freigegeben werden, soll in kürze starten. Wann, ist wohl noch nicht klar. Ob man es dabei schafft, mehr Menschen auf die Abstimmung aufmerksam zu machen, wird sich zeigen. Es wäre wichtig, um das Projekt mit den Bürger*innen zusammen zu gestalten.

Flugfeld Tempelhof: Der Blick auf den Tower des Flughafens

Der Tempelhofer Flughafen bleibt also vorerst ein Ort, an dem nur vereinzelt etwas Neues entsteht, auch wenn die Sanierung und Zukunftsgestaltung mit Beteiligung der Bürger*innen sogar im Rot-Grünen Koalitionsvertrag beschlossen wurde. Ab und zu finden weiterhin Events statt und mit der Zeit werden die Aussichtsplattform auf dem Tower oder auch die Galerie eröffnet. Bis das Gebäude jedoch wirklich für die öffentliche Nutzung zur Verfügung steht und seinem Potenzial als Kreativstandort gerecht wird, wird das Flugfeld weiterhin die erste Anlaufstelle für Besucher*innen und Berliner*innen bleiben.