Ich habe keine reichen Eltern. Und studiere trotzdem an einer Privatuniversität. Für viele mag das ein Paradoxon darstellen, doch hier bin ich, um alle Vorurteile über Privatstudierenden zu Nichte zu machen!

Das Proletariat kommt an Bildung

Als ich mich im September 2018 für das Studium an der SFU bewarb, war ich nicht wirklich der Meinung, eine Option gefunden zu haben. Das Angebot gefiel mir gut, jedoch waren mir die Studiengebühren ein Dorn im Auge. Ich hatte einen Plan für meine Zukunft, wusste aber nicht, wie ich diesen umsetzen sollte. Um mein Gewissen zu beruhigen, versendete ich E-Mails an alle möglichen Schulen und Universitäten. Als die SFU mich aufforderte, ein Motivationsschreiben einzureichen und dann zum Bewerbungsgespräch zu kommen, war ich skeptisch. Ich beschloss, das Schreiben nichts desto trotz abzusenden und den Termin wahrzunehmen – zu dem Zeitpunkt jedoch eher um meine Familie zu besänftigen und um sagen zu können, ich hätte mich bemüht. Das Konzept der SFU machte weiterhin einen ansprechenden Eindruck auf mich, jedoch dachte ich weiterhin, dass ich aufgrund der Studiengebühren niemals dort studieren könnte. (Well, look where I am now). Nach dem Bewerbungsgespräch war ich von der Ausstattung und dem zukunftsorientierten Curriculum begeistert und ich wusste: Hier werde ich studieren!

Doch nun zum Geld

Als Kind einer alleinerziehenden Altenpflegerin und eines Zerspanungsmechanikers fehlte es mir an nichts. Trotzdem war mir klar, dass meine Eltern mir das Studium nicht finanzieren könnten. Das sollte aber kein Hindernis sein, denn wenn ich etwas aus der Situation meiner gelernt habe, dann ist es folgendes: Man kann alles im Leben haben, man muss dafür nur arbeiten.

Meine Lebenskosten finanziere ich mir durch meinen Nebenjob. 60 Stunden im Monat arbeite ich bei einem ambulanten Pflegedienst und betreue alte oder kranke Menschen zuhause. Das klingt zwar nicht nach dem Traumjob, macht mir aber Spaß. Schon als Kind las ich im Winter den Menschen im Altenheim meines Heimatortes Weihnachtsgeschichten vor und arbeitete schon während des Gymnasiums 1,5 Jahre als Pflegehelferin.  Man hat in der Pflege ein festes Team in dem man arbeitet, man hat Patienten zu denen man eine Bindung aufbauen kann und man fühlt sich am Ende des Tages gut, weil man weiß, man hat jemandem geholfen. Außerdem hat man oft flexible Arbeitszeiten und man verdient gutes Geld. Ein empfehlenswerter Nebenjob, für alle die sich Ihr Studium selbst finanzieren müssen.

Die Studiengebühren zahle ich durch einen Studienkredit. Jeden Monat bekomme ich Geld, welches ich zur Seite lege, um dann die Semestergebühren zu bezahlen. Kredite aufzunehmen scheint für viele abstoßend, man bekommt für sein Studium aber wirklich gute Konditionen. Natürlich ist es schade, dass ich ihn so lange zurückzahlen werde. Das nehme ich aber gerne auf mich, wenn ich dafür etwas machen kann, was mir Spaß macht. Außerdem erhoffe ich mir, dass ich durch mein Studium irgendwann so viel verdienen werde, dass meine Kinder keinen Kredit für ihr Studium brauchen.  Ich habe die Möglichkeit mich nach dem Studium in der Berufswelt zurecht zu finden, bevor ich den Kredit zurückzahlen muss und finde es eigentlich ziemlich aufbauend, dass ich am Ende sagen kann, ich habe mir das alles selber ermöglicht. Am Anfang dachte ich oft, ich müsse mich dafür schämen aus keinem reichen Elternhaus zu kommen. Aber das muss ich nicht und inzwischen bin ich sogar ein bisschen Stolz auf mich.

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Zusätzliche Tipps

Auch wenn es nicht nach Spaß klingt, hilft es sich einen Finanzplan aufzustellen und zu wissen wie viel Geld man für sich selbst zur Verfügung hat und wie viel man für die Fixkosten braucht. Auch wenn der Unterhaltungswert dieser Tätigkeit unterirdisch ist, ermöglicht einem das, mit einem guten Lebensstandard zu leben. Des Weiteren hilft es, seinen Kalender mit Sorgfalt zu führen. Wenn ich viele Vorlesungen habe, kann es gerne mal vorkommen, dass ich eine 55 Stunden-Woche habe. Der Kalender ermöglicht es mir, einen Überblick zu bekommen, wann Zeit für die Arbeit ist, für die Uni, Zeit um zuhause für die Uni was zu machen und wann man Freizeit hat. Strukturierte Tagesabläufe und To-Do-Listen helfen ebenfalls. Das scheint zwar viel Organisation zu sein, im Endeffekt nimmt mir das aber vielleicht eine Stunde in der Woche und ermöglicht mir, alles so unter einen Hut zu bekommen, dass ich nicht das Gefühl habe, etwas zu verpassen. Man sollte sich einen Job suchen, der Spaß macht und bei dem man sich wohl fühlt. Man sollte Prioritäten setzen und keine Angst davor haben, auch mal am Wochenende oder an Feiertagen zu arbeiten. Aber vor allem sollte man wissen, wofür man das alles macht. Am Ende einen Job zu haben, der einen erfüllt, ist so wichtig und sollte in jedem Fall an oberster Stelle stehen. Dabei sollte Geld keine Rolle spielen.