Wenn man die Wörter Fließgewässer und Berlin hört denkt man direkt an zwei Sachen. Die erste wäre, wer zum Teufel eigentlich wirklich dasWort Fließgewässer benutzt. Vermutlich derselbe Schlag Mensch, der irgendjemanden als Nonkonformisten bezeichnen würde. Und als zweites denkt man selbstverständlich an die gute alte Spree, die von Tschechien bis nach Brandenburg in die Havel fließt, und im Herzen von Berlin nochmal so richtig schön Abfall tanken darf. Aber dabei hat Berlin doch noch so viel mehr an Flüssen und Bächen zu bieten. Immerhin bestehen knapp 6,6 Prozent der Berliner Oberfläche aus Wasser. Wobei man fairerweise dazu sagen muss, dass hierbei die vielen Seen den größten Teil der Arbeit erledigen.

Da gäbe es also noch die Dahme, das Fredersdorfer Fließ, das Tegeler Fließ den Nordgraben, und generell zahlreiche weitere kleine und noch kleinere Gräben, die hauptsächlich noch aus der Zeit des Rieselfeldbetriebes stammen. Aber ein kleines Flüsschen im Norden sie alle mit seinem Charme übertrumpfen: Die Panke.

    Vom wilden Fluss zum zahmen Kanal

Die Panke, wo sie noch “wild” sein darf

Von ihrer Quelle im beschaulichen Bernau fließt sie weiter in Richtung Süden, entlang einer Rinne aus eiszeitlichen Zeiten, von den Barnimhöhen bis zum Nordhafen, in welchem sie dann schließlich in die Spree einfließt. Fast 30 Kilometer ist ihr Verlauf, welcher sich einmal komplett durch den die Bezirke Wedding und Pankow hindurch zieht. Besonders Pankow ist mit dem Strom stark verbunden, nicht zuletzt ist er immerhin Namensgeber der Ortschaft. Aber auch ausserhalb Pankows ist die Panke gemeinhin als Berliner Kulturgut annerkannt. Und das, obwohl von diesem Fluss jahrzehntelang nur wenig zu sehen war. Viel zu sehr wurde das Wasser durch Industrieeinleitungen und Abwässer verschmutzt, sodass die Anwohner um die Wende zum 20. Jahrhundert herum froh waren, dass das als „Stinkepanke“ geschmähte Gewässer verrohrt und kanalisiert wurde.

Die immensen Zerstörungen nach dem zweiten Weltkrieg wurden im Wedding so hingehend genutzt, um den Flusslauf nach Jahren der Gefangenschaft wieder freizulegen. Zusätzlich dazu entschied man rings um den Kanal einen Grünzug anzulegen, welcher das Gewässer nahezu die ganze Zeit begleitet. Der künstliche Nebenarm von der Schulzendorfer Straße zum Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal wurde ab 1961 als alleiniger Abfluss der Panke genutzt – der Altarm in den Berliner Osten wurde kurzerhand einfach abgetrennt. Doch von einer naturnahen Gestaltung kann an der heutigen Panke keine Rede sein. Das einst munter plätschernde, durchaus hochwassergefährdete Flüsschen erinnert heute eher an einen gezähmten Kanal á la Amsterdam, in dem kein Leben mehr möglich scheint.

Aber wie gesagt, so scheint es bloß. Denn in der Panke, aber vor allem auch um die Panke herum gibt es eine ganze Menge Leben. Zwar gibt es heutzutage keine Fische mehr im Wasser, aber gerade jetzt im Sommer kann man dort eine ganze Menge putziger Entenfamilien beobachten, oder ein paar weniger putzige Bisamratten. Und neben dem Wasser beginnt das menschliche Treiben.

Rückkehr zur “Stinkepanke”?

Kultur im Chaos

Denn die Panke, mit ihrem grünen Mantel, bildet so etwas wie eine kleine Oase im sonst eher weniger lauschigen Wedding. Parks, Sport- und Spielplätze, Bänkchen, schnuckelige Brücken und diese Art Cafés, die einem dieses gewisse bohème-Gefühl verleihen. All das steht im krassen Kontrast zu dem umliegenden Stadtbild, wie etwa dem heruntergekommenen Leopoldplatz oder der überfüllten Badstraße in Richtung Gesundbrunnen. Und auch das Nachtleben um die Panke herum kann sich sehen lassen, schließlich kann man an ihren Ufern des Weddings kultigste Bar finden, die Wilma, welche sich direkt gegenüber der alten Mühle befindet, und in ihrem Ambiente, welches man

vermutlich am besten als sehr enge Kreuzung aus Piratenspielunke, Wandschrank und Szeneclub beschreiben kann, die mit Abstand besten Mexikaner der Stadt ausschenkt. Oder, etwas weiter in Richtung S-Bahnhof Wedding die Panke. Ja, das ist etwas verwirrend, denn Panke ist nicht nur der Name des Flusses, sondern auch der Name eines Clubs direkt nebendran. In seinen geweihten Hallen gibt es so gut wie alles, von Hip-Hop Partys über Poetry-Slams bis hin zu Flohmärkten und Late-Night-Yoga.

Einmal im Jahr gibt es sogar den sogenannten Panke-Parcours. Dabei handelt es sich um eine Art Sommerfest, welches an einem guten Teil des Kanals folgt. Es gibt zahlreiche Bühnen mit Livemusik, Fressbuden, Workshops, Cocktailbars und als großes Highlight: Das große Quitscheentchenrennen.

Es wird einem also wirklich allerhand geboten, an der Panke. Umso mehr schade ist es, dass sich die Panke immer mehr zurück zur ehemaligen Stinkepanke entwickelt. Gerade im Sommer, wenn der Wasserspiegel sinkt erkennt erst so richtig Wieviel Abfall im Gewässer tümpelt. Es ist tragisch mit anzusehen wie eine Tüte Plastikmüll nach der anderen, wie eine Flaschenpost den Kanal hinabsegelt. Daher ist es wichtig, Organisationen wie panke.info e.V. zu unterstützen, welche es sich zum Ziel gesetzt hat, eine Lobby für das vernachlässigte Gewässer zu bilden, und dieses zu schützen. Aber noch viel wichtiger ist es, selbst vielleicht etwas dagegen zu tun.