Kommentar: Trump und die USA

Ich muss ganz ehrlich sein: Ich beneide jeden, der mit vollem Herzen Trump unterstützen kann. Während ich vor Wut, Verzweiflung und Trauer den Tränen nahe diesen Kommentar verfasse, jubeln sie einem Lügner zu, der sie aktiv im besten Fall in die Armut und im schlimmsten Fall in den Tod führt.

 

„Warum nicht Desinfektionsmittel spritzen? Ich bin kein Arzt.“ (Trump, 2020)

Bitte kein Desinfektionsmittel einnehmen und immer die Verpackung beachten! Bild von Tim Münster

Eine Aussage von Trump zu Zeiten von Covid-19, die meiner Meinung nach typischer nicht sein könnte. Ich bin auch kein Arzt, aber ich habe die Schule besucht und daher weiß ich, dass dies eine ganz, ganz schlechte Idee ist und in nicht seltenen Fällen zum Tod führen kann. Dafür benötigt es kein abgeschlossenes Studium, lediglich Allgemeinbildung. Auch wenn er es sarkastisch gemeint haben sollte, ist eine solche „Frage“ des Präsidenten einfach nur verantwortungslos. Ein Staatsoberhaupt, dem das Leben seiner Bevölkerung wichtig ist, würde eine solche Aussage auch nicht sarkastisch tätigen. Allgemeinbildung bringt mich aber zu einem der gravierendsten Missstände in den USA, der auch viele der weiteren Probleme in den USA bedingt und mitunter dafür sorgt, dass Trump überhaupt eine Chance hatte, gewählt zu werden.

 

Bildungswesen in den USA

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Generell kann man über das Bildungssystem in den USA sagen, dass es im Vergleich zu Deutschland recht elitär aufgebaut ist. Während in Deutschland die Qualitätsunterschiede von öffentlichen und privaten Schulen und Universitäten eher gering sind, ist das in den USA ganz anders. Oft sind öffentliche Schulen dramatisch unterfinanziert und die Qualität wird darüber entschieden, ob das Lehrpersonal ihr ganzes Leben dieser Lehre opfern. Diese Diskrepanz ist einer der Gründe, warum das Studium in den USA standardmäßig 4 Jahre für einen Bachelor ist, während es sich in Deutschland und weitestgehend der EU auf 3 Jahre beläuft. Das erste Jahr ist dann meistens eine Wiederholung der Schulfächer. Den öffentlichen Universitäten, beziehungsweise Community Colleges wird auch eine sehr schlechte Qualität nachgesagt. Inwiefern dies der Wahrheit entspricht, kann ich schwerlich beurteilen. Aber alle Universitäten, von denen man gehört hat (Harvard, MIT, Florida Tech o.Ä.), haben für deutsche Verhältnisse sehr happige Preise und belaufen sich bei etwa 40.000-50.000+ US-Dollar.

 

Auswirkungen auf die Meinungsbildung

Wie bereits angesprochen, hat dies tiefgehende Folgen. Natürlich gibt es auch in anderen Ländern Diskrepanzen in der Bildung und der Qualität derselbigen, sind diese jedoch selten so stark ausgeprägt. Eine niedrigere Allgemeinbildung einer größeren Masse sorgt ohne Frage für eine größere Anfälligkeit für Falschinformationen. Menschen, die sich in ihrem Leben schon einmal mit Studien befasst haben, werden schnell hellhörig, wenn eine Studie von 100% spricht. Zumeist werden perfekte Werte in Studien und Experimenten durch das Verschweigen von Ergebnissen erwirkt. Hydroxychloroquin ging durch die Medien in den USA. Nun eigentlich haben nur Fox News und Trump darüber gesprochen. Eine Studie solle ausgesagt haben, dass diese Droge eine 100% Genesungsrate bei Covid-19 Patienten habe. Natürlich hatte auch diese Studie unliebsame Ergebnisse ausgelassen. Diese Droge soll sogar teilweise schädlich in Covid-19 Patienten sein. Dennoch mussten dafür Patienten mit Malaria oder Lupus, die auf dieses Arzneimittel angewiesen sind, darauf verzichten und das möglicherweise mit dem Leben bezahlen.

 

Trump und Propaganda

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Häufig wird von Populismus oder einer Narrativen gesprochen. Wir sollten auch hier anfangen das Kind endlich beim Namen zu nennen. Die Aussagen und Auftritte von Donald J. Trump und seinem Lieblingssender Fox News sind nichts anderes als Propaganda. Wer hierzulande in Geschichte aufgepasst hat, dem wird womöglich der Begriff „Gleichschaltung“ etwas sagen. Es ist fast bewundernswert, wie Trump es nur mithilfe eines Senders schafft einen sehr ähnlichen Effekt zu erzielen. Ich möchte damit nicht sagen, dass Trump genauso schlimm oder unmenschlich ist, wie Adolf Hitler im Dritten Reich, aber er hat das Potential genauso tödlich zu werden. Und Hitler hat in seinem Leben gegen weniger geltendes Recht verstoßen als der amtierende Präsident in seiner noch nicht abgelaufenen Amtsperiode.

 

Haben wir denn gar nichts aus der Vergangenheit gelernt? Soll die Menschheit wieder und wieder die gleichen Fehler durchlaufen? Oder schaffen wir den Sprung zu einem Miteinander statt einem Gegeneinander?

 

(Dies ist ein Kommentar. Ich repräsentiere hier lediglich mich selbst und meine eigene Meinung und keine größere Organisation o.Ä.)

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